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Bonitätsprüfung bei Unternehmen


Allein in Deutschland müssen Unternehmen durchschnittlich mehr als 2,6 % ihres Gesamtumsatzes als Forderungsverlust abschreiben, wobei jedes zwölfte Unternehmen durch Zahlungsausfälle in eine existenzbedrohende Lage gebracht wird. Dabei ist die Zahlungsmoral in Deutschland aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs überaus gut und auch die Zahl der Insolvenzen nimmt kontinuierlich ab. Dennoch kommen viele Unternehmen ihren Zahlungsverpflichtungen erst sehr spät oder gar nicht nach. Eine umfassende Bonitätsprüfung des zukünftigen Geschäftspartners vor einem neuen Engagement ist daher für die finanzielle Zukunft eines jeden Unternehmens entscheidend und auch die routinemäßige Prüfung (z.B. mithilfe einer Bonitätsauskunft) von Stammlieferanten hilft dabei, Forderungsverluste zu minimieren. Doch was ist eine Bonitätsprüfung überhaupt, wie läuft eine Bonitätsprüfung bei Unternehmen ab und wer führt diese durch?

Was ist eine Bonitätsprüfung bei Unternehmen?

Mithilfe einer Bonitätsprüfung können Unternehmen die Zuverlässigkeit ihrer Kunden und Geschäftspartner feststellen. So werden Risiken frühzeitig erkannt und Zahlungsausfälle minimiert. Im Gegensatz zur Bonitätsprüfung bei Privatpersonen wird bei einer Überprüfung von Unternehmen eine Vielzahl unterschiedlicher Daten erhoben und bewertet. Daraus lassen sich dann sogenannte Scorewerte errechnen, die ein realistisches Bild über die Finanzsituation des Geschäftspartners ermöglichen. Je genauer und detaillierter die Bonitätsprüfung vorgenommen wird, desto besser werden die Daten, wodurch eine sichere Entscheidungsbasis geschaffen werden kann.

Wer führt Bonitätsprüfungen bei Unternehmen durch?

Bonitätsprüfungen bei kleinen und mittelständischen Unternehmen werden in der Regel von Wirtschaftsauskunfteien durchgeführt, die Zugang zu einer Vielzahl unterschiedlicher Daten haben und diese für ihre Kunden auch maßgeschneidert aufbereiten können. Besonders bei neuen Lieferabschlüssen ist solch ein Dienstleister meist die einzige Möglichkeit, um herauszufinden, inwieweit der neue Geschäftspartner bereit ist, seine Verbindlichkeiten fristgerecht zu bezahlen. Unternehmen, die mit vielen Lieferanten oder ausländischen Geschäftspartnern arbeiten, tun in diesem Zusammenhang gut daran, eine langfristige Kooperation mit einer Wirtschaftsauskunftei einzugehen, da auch eine regelmäßige Bonitätsprüfung von bestehenden Geschäftspartnern maßgeblich dazu beiträgt, finanzielle Risiken zu minimieren.

Vorteile einer Bonitätsprüfung

Eine Bonitätsprüfung lohnt sich immer, wobei diese besonders bei internationalen Engagements eine bedeutsame Stellung einnimmt. Dabei gibt eine Bonitätsauskunft nicht nur einen Einblick in die Zahlungsmoral von Geschäftspartnern, sondern hilft auch dabei, die eigenen Fremdfinanzierungskosten dauerhaft zu senken. Kooperiert ein Unternehmen beispielsweise mit finanzstarken Unternehmen, so steigt auch die eigene Kreditwürdigkeit. Dieser Umstand ermöglicht in der Regel eine bessere Verhandlungsposition gegenüber der Hausbank, wodurch Kredite günstiger aufgenommen werden können. Zudem können Geschäftspartner mit gutem Bonitätsranking auch das Image des eigenen Unternehmens verbessern. Ein solides Netzwerk von verlässlichen Lieferanten fördert das Vertrauen und hat so einen positiven Einfluss auf Kunden, Mitarbeiter und andere Kooperationspartner.

Wie läuft eine Bonitätsprüfung ab?

Die Bewertung der Bonität von kleinen und mittelständischen Unternehmen gestaltet sich anders als die Bewertung von großen Unternehmen und Konzernen. Börsennotierte Unternehmen und Konzerne unterliegen in der Regel strengeren gesetzlichen Vorschriften und sind somit auch dazu verpflichtet, mehr Unternehmensdaten zu veröffentlichen.


Kleine und mittelständische Unternehmen

Eine Bonitätsprüfung bei kleinen oder mittelständischen Unternehmen wird durch Auskunfteien durchgeführt und gestaltet sich ähnlich wie die Bonitätsprüfung von Privatpersonen. Die Auskunftei holt dabei Information über das Unternehmen ein und prüft Daten, deren Übermittlung das Unternehmen vorab zugestimmt hat. Neben vorhandenen Kontoverbindungen und Kreditverträgen zählen dazu auch unterschiedliche Kennzahlen und die Zahlungshistorie des Geschäftspartners zu den Informationen die in einer Bonitätsauskunft gezeigt werden. Zudem werden auch Daten über eingeleitete Mahnverfahren, die Qualität des Managements und Branchendaten zur Berechnung der Bonität herangezogen und in der Bonitätsauskunft gezeigt.

Börsennotierte Unternehmen und Konzerne

Große Unternehmen und Konzerne werden üblicherweise von sogenannten Ratingagenturen bewertet. Die drei weltweit bekanntesten Ratingagenturen, die auch medial immer wieder für Aufsehen sorgen, sind Standard & Poor‘s (S&P), Fitch und Moody‘s. Die Hauptaufgabe dieser Agenturen ist nicht nur die Bewertung der Bonität von Konzernen, sondern auch das Rating von Banken, Wertpapieren und Staaten. Bei der Bonitätsprüfung von Unternehmen wird ein sogenannter Investment Grade ermittelt, der eine einfache Vergleichbarkeit der Bonität unterschiedlicher Unternehmen ermöglicht. Die Skala variiert jedoch zwischen den einzelnen Ratingagenturen, sodass vor der Zusage eines neuen Engagements immer die Ergebnisse aller Agenturen analysiert werden sollten.

Welche Kennzahlen haben einen besonders großen Einfluss auf die Bonität?

Eine Bonitätsauskunft setzt sich aus unterschiedlichen Daten zusammen und nicht alle erhobenen Daten haben einen gleich großen Einfluss auf die ermittelten Scorewerte. Besonders wichtige Einflussgrößen sind beispielsweise Insolvenz- und Inkassoinformationen, aber auch Bilanzkennzahlen wie die Eigenkapitalquote, die Bargeldreserven und der Cashflow beeinflussen die Bonität des Unternehmens.

Professionelle Auskunfteien können zudem weitere Daten wie beispielsweise die Unternehmenshistorie, die Anzahl der Niederlassungen sowie Branchentrends und die Managementqualität richtig einschätzen und so wertvolle Kennzahlen liefern, die als Entscheidungsgrundlage genutzt werden können. Je größer und umfassender die Datensammlung ist und desto professioneller diese ausgewertet wird, desto höher ist auch die Chance, bonitätsschwache Geschäftspartner früh ausfindig zu machen und adäquate Maßnahmen zu ergreifen.

Wie gehe ich mit den Ergebnissen einer Bonitätsprüfung richtig um?

Grundsätzlich gilt bei der Bonitätsprüfung von Unternehmen das Gleiche wie bei der Bonitätsprüfung von Privatpersonen. Je besser die Bonität des Geschäftspartners ist, desto bessere Konditionen sollten diesem auch angeboten werden. Sinkt die Bonität des Geschäftspartners, dann sollten Verträge, wenn möglich, auf die veränderte finanzielle Situation hin angepasst werden. Neben kürzeren Zahlungszielen und Aufschlägen können in diesem Zusammenhang auch Bankgarantien eingefordert werden. Auch die Verringerung des Lieferantenkredits oder höhere Anzahlung sowie Vorauszahlungen sind gangbare Maßnahmen, um das finanzielle Risiko zu minimieren.

Bonitätsprüfung und Risikomanagement

Die Ergebnisse der regelmäßigen Bonitätsprüfung sind eine unverzichtbare Grundlage von Geschäftsbeziehungen, wobei die erhoben Daten auch ein essenzieller Teil des aktiven Risikomanagements sind. So kann ein drohender Zahlungsausfall beispielsweise vorab durch ein optimiertes Inkasso abgeschwächt werden und auch eine frühzeitige Änderung von Rahmenbedingungen kann dabei helfen, das eigene Risiko zu minimieren. Zudem können bei einer potenziellen Gefahr auch weitere Maßnahmen, beispielsweise der Abschluss einer Forderungsausfallversicherung, ergriffen werden, um das eigene Unternehmen vor finanziellen Verlusten zu schützen.

Fazit

Bonitätsprüfungen helfen Unternehmen dabei, das zukünftige Engagement besser einschätzen zu können. Dabei entstehen viele Risiken nicht schon zu Beginn einer Partnerschaft, sondern im Laufe einer Geschäftsbeziehung. Eine regelmäßige Überprüfung der Bonität von Geschäftspartnern schützt somit sicher und nachhaltig vor finanziellen Verlusten und verbessert zudem das Image des eigenen Unternehmens. Eine langfristige Kooperation mit einer professionellen Auskunftei lohnt sich dabei für Unternehmen fast immer. Durch eine regelmäßige Erhebung und Auswertung der Daten können so frühzeitig Maßnahmen ergriffen werden, die langfristig den Unternehmenserfolg sicherstellen können.